Billy-Regal zu Schrank

Heutiges Thema: Aus einem Billy-Regal wird ein Schrank. Warum, kommt im nächsten Beitrag. Man kann diesen Artikel auch als Anleitung betrachten, ein Brett oder ein ähnliches Werkstück in eine Schranktür zu verwandeln. Es ist letzten Endes auch nicht schwer :-)

Zuerst einmal muss das Material vorhanden sein:

  • Scharniere (min. zwei, je nach Länge und Stabilität der Tür auch drei oder gar vier)
  • Ein Brett o. ä. (In unserem Fall eine fertige Tür aus dem Baumarkt mit den Maßen 2m x ~ 40 cm)
  • Ein Knauf (In unserem Fall ein fertiger Knauf im Shabby-Look aus dem Baumarkt)

An Werkzeug benötigt ihr:

  • Einen Akkuschrauber (Idealerweise), alternativ einen Schraubenzieher (Für die Peniblen: Schraubendreher ;-))
  • Einen Forstnerbohrer für die Löcher der Topfscharniere
  • Einen Bohrständer oder viel Gefühl beim Bohren mit einer Bohrmaschine
  • Eine Bohrmaschine

Die Türen:

Ikea Billy Schranktür

Da wir drei Billy-Regale haben: Drei Türen. Es gibt auch spezielle Türen von Ikea für die Billy-Regale, aber diese haben uns alle nicht gefallen, waren teurer als unsere und reichten nicht bis zum Boden, auch wenn das eigentlich von Ikea so gewollt ist.

Scharniere: Hier konnte ich glücklicherweise auf viele aus ausgemusterten Möbeln zurückgreifen – Manchmal ist man für einen Akkuschrauber wirklich dankbar:

Danke, Akkuschrauber

Zum Knauf komme ich später.

Die Scharniere scheinen standardisiert zu sein. Sie passen genau in die Bohrlöcher des Billy-Regals. Heutzutage werden übrigens fast nur noch Topfscharniere benutzt. Das bedeutet jedoch, dass man in die Schranktüren ein passendes Loch bohren muss – Dazu später mehr. Zuerst einmal muss die passende Position vermessen und markiert werden. Es ist empfehlenswert, die Scharniere zuerst am Schrankkorpus zu befestigen, damit nachher nichts verrutschen kann:

Topfscharnier Position markieren

Bis ich den richtigen Kniff raus hatte, hat es bei der ersten Tür durch mehrere Anläufe eine dreiviertel Stunde gedauert – Bei den nächsten ging es dann in fünf Minuten :-) Man darf hier allerdings keinen Fehler machen, sonst fließen später die Tränen ;-)

Hierbei hat mir das Präzisionswerkzeug sehr geholfen, allerdings ginge es auch ohne.

Weiter im Text: Für die Löcher ist ein passender Forstnerbohrer sowie eine ruhige Hand und viel Gefühl oder aber ein Bohrständer unabdingbar. Einen (hoffentlich) passenden Bohrer hatte ich zusammen mit den Türen nach Gefühl gekauft und voilà: Er passt haargenau:

Forstnerbohrer 35 mm

Scharnier Forstnerbohrer passt

Leider habe ich nicht die Fähigkeit, exakt senkrechte Löcher zu bohren, daher bin ich in der glücklichen Situation, letztens einen neuen, alten Bohrständer zu erstanden zu haben.

Man muss allerdings trotzdem aufpassen, genau die richtige Stelle zu treffen und den Bohrer mit dem richtigen Vorschub zu führen:

Da heutzutage alles aus gepresstem Holzpappeleim zu bestehen scheint, gibt es auch eine schöne Sauerei :-) Wenn dann alles passt – war bei mir überraschenderweise so – können die Scharniere in die gebohrten Löcher eingesetzt und mit der Tür verschraubt werden. Achtung in diesem Fall: Da die Türen aus diesem schwächlichen Material bestehen, muss man die Schrauben sehr behutsam befestigen. Sie müssen auch gar nicht besonders fest sitzen – Einfach anziehen reicht.

Scharnier eindrehen niedriges Drehmoment

Am Rande: Wir hatten ca. 30° und eine Luftfeuchtigkeit von nahezu 100 %. In der Wohnung war es noch wärmer, so dass ich später nur noch im Schweiße meines Angesichts arbeitete :-)

Im Schweiße meines Angesichts

Zurück zu den Scharnieren: Wenn ihr alles richtig gemacht habt, sollte es so aussehen:

Topfscharnier passt

Ihr solltest min. je ein Scharniere möglichst weit oben und unten anbringen. Unsere Türen sind ca. zwei Meter hoch und so stabil, dass zwei Scharniere ausreichend waren. Möchte jemand mehr Stabilität und / oder höhere Rückholkräfte, kann er das beliebig erweitern. Die Scharniere passten perfekt und so sah das Resultat aus:

Billy Schranktür

Billy Schranktür

Nun zum Knauf. Eines der Regale / Schränke sollte ins Bad, die anderen im Wohnzimmer bleiben. Für das Bad haben wir einen Porzellanknauf gewählt. Da ich nicht sicher war, wie groß der Durchmesser der Gewinde war, konnte ich hier das Mikrometer ausprobieren:

Knauf Schraube Mikrometer

3 mm + 40 / 100 -> knapp 3,5 mm. Eigentlich sollten es vier sein, aber was soll’s – Der nächstgrößere Bohrer hat eh 4 mm, also spielt das keine Rolle.

Nun also möglichst im im rechten Winkel zum Schrank ein Loch geböhrt und dann sollte man den Knauf doch recht einfach mit der Konterschraube festziehen können, oder was meint ihr? Nein, leider habe ich das Ziel knapp verpasst:

Schrankknauf Schraube zu kurz

Wer erkennt das Problem? Richtig – die Schraube ist zu kurz! Nun bin ich aber glücklicherweise mittlerweile vorbereitet und es kam wieder der bewährte Forstnerbohrer zum Einsatz – Dieses Mal mit 10 mm:

Forstnerbohrer 10 mm Knaufloch

Danach sieht das Loch so aus und man kann problemlos den Knauf anschrauben:

Knauf Loch

Schrank Porzellanknauf

Und dann ist der Badschrank auch schon fertig:

Billy als Badschrank

Analog dazu habe ich mit der starken Unterstützung meiner Frau die zwei “Wohnzimmerschränke” fertig gestellt, die einen Knauf im Shabby Chick-Look besitzen:

Schrankknauf Shabby Chick

Billy Wohnzimmerschrank

Lustigerweise saßen die Türen ohne jegliche Justierung einwandfrei und funktionieren daher trotz Eigenbau besser als unsere anderen Schränke :-)

Damit sind wir auch schon am Ende angelangt. Ich hoffe, ich konnte euch helfen. Wenn einmal etwas richtig gut am Stück klappt, macht es richtig Spaß – Das kannte ich noch gar nicht :-)


3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Marc,

    das Ergebnis sieht toll aus. Unten siezt die Tür recht knapp, sie kratzt nicht ab Boden?
    ;)

    Grüße
    Lena

    • Marc Zahn

      Guten Morgen Lena,

      die Befürchtung hatte ich am Anfang auch, aber sie sind genau richtig. Oben sind sie bündig mit der Oberkante der Regale und unten ist noch ca. 1,5 cm Platz.

    • Marc Zahn

      Ich habe eben noch einmal nachgeschaut. Es sind ziemlich genau 1 cm.